Daten & KI
Chatbots & Sprachmodelle
Du chattest jeden Tag mit einer KI. Aber was passiert dabei wirklich? Eine Reise vom Buchstaben zur Antwort.
Du stellst eine Frage, und Sekunden später steht da eine Antwort, die klingt, als hätte ein Mensch sie geschrieben. Chatbots sind für viele so alltäglich geworden wie die Suchmaschine. Umso spannender ist die Frage, was dahinter steckt. Die kurze Antwort: sehr viel Mathematik und eine überraschend einfache Grundidee.
Text wird zu Zahlen
Ein Computer kennt keine Buchstaben, nur Zahlen. Schon lange vor der KI bekam deshalb jedes Zeichen eine feste Nummer: Im -Code ist A die 65 und B die 66. Im Speicher steht so eine Nummer als Muster aus 8 Bits, also aus einem . Sprachmodelle gehen einen Schritt weiter und zerlegen Text in kleine Bausteine, sogenannte Tokens. Das können ganze Wörter sein oder Wortteile, und jedes Token bekommt eine Nummer. Dein ganzer Chat ist für das Modell eine lange Kette von Zahlen.
Das nächste Wort vorhersagen
Der Kern eines Sprachmodells ist ein Ratespiel: Welches Token kommt als nächstes? Nach dem Satzanfang 'Der Himmel ist' ist 'blau' sehr wahrscheinlich, 'Banane' sehr unwahrscheinlich. Das Modell hat beim Training riesige Textmengen gelesen und dabei gelernt, für jede mögliche Fortsetzung eine Wahrscheinlichkeit zu berechnen. Eine Antwort entsteht, indem das Modell Token für Token wählt und jedes gewählte Token wieder in die Vorhersage für das nächste einfließt. Wie viel Text es dabei im Blick behalten kann, ist begrenzt: Dieses Fenster heißt Kontext und wird in Tokens gemessen. Ist es voll, fällt der Anfang des Gesprächs hinten heraus.
Warum das so gut funktioniert
Wörter zu raten klingt banal, aber um das nächste Wort wirklich gut vorherzusagen, muss das Modell erstaunlich viel erfassen: Grammatik, Zusammenhänge, Fachwissen, sogar den Tonfall einer Unterhaltung. Wer den Satz 'Die Hauptstadt von Frankreich ist' korrekt fortsetzen will, muss die Antwort in seinen Mustern gespeichert haben. Aus Milliarden solcher Muster entsteht ein System, das übersetzen, zusammenfassen und erklären kann. Nicht weil es die Aufgabe versteht wie ein Mensch, sondern weil gute Vorhersage genau diese Fähigkeiten erzwingt.
Was ein Sprachmodell nicht ist
Zwei Missverständnisse halten sich hartnäckig. Erstens: Ein Sprachmodell ist keine . Es schlägt Antworten nicht nach, sondern erzeugt sie jedes Mal neu aus Wahrscheinlichkeiten. Deshalb kann es sich irren und trotzdem überzeugend klingen. Zweitens: Es hat kein Bewusstsein und keine Absichten. Wenn ein Chatbot 'ich denke' schreibt, ist das ein gelerntes Sprachmuster, kein Hinweis auf ein Innenleben. Wer beides im Kopf behält, kann Chatbots entspannt nutzen: als starkes Werkzeug, nicht als allwissendes Wesen.
Aufgaben
0 von 6 gelöstZeit zum Ausprobieren. Du kannst nichts kaputt machen, jeder Versuch zählt.
Was macht ein Sprachmodell im Kern?
Wie speichert ein Computer den Buchstaben A?
Der Buchstabe A hat den Code 65 und die Codes laufen alphabetisch weiter. Welchen Code hat der Buchstabe C?
Bring die Schritte in die richtige Reihenfolge, wie ein Chatbot aus deiner Frage eine Antwort erzeugt.
- 1Das Modell berechnet Wahrscheinlichkeiten für das nächste Token
- 2Das gewählte Token fließt in die Vorhersage des nächsten ein
- 3Jedes Token bekommt eine Zahl
- 4Das wahrscheinliche nächste Token wird gewählt
- 5Deine Frage wird in Tokens zerlegt
Ein Zeichen belegt 8 Bits. Wie viele Bits braucht das Wort HALLO mit seinen 5 Zeichen?
Ein Sprachmodell ist keine …: Es schlägt Antworten nicht nach, sondern erzeugt sie jedes Mal neu.