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Diagramme, die täuschen
Abgeschnittene Achsen, aufgeblasene Flächen, geschönte Zeiträume: Wie Diagramme lügen, ohne falsche Zahlen zu zeigen.
Das brauchst du vorher
Ein Diagramm kann jede Zahl korrekt zeigen und trotzdem einen falschen Eindruck erwecken. Das macht Diagramm-Tricks so wirksam: Niemand hat gelogen, und doch bleibt im Kopf ein verzerrtes Bild hängen. Die gute Nachricht: Die meisten Tricks folgen wenigen Mustern. Wer sie einmal kennt, erkennt sie überall wieder, in Werbung, Nachrichten und Präsentationen.
Die abgeschnittene Achse
Der Klassiker: Die senkrechte Achse beginnt nicht bei null, sondern knapp unter dem kleinsten Wert. Dann zeigt das Diagramm nur die Spitzen der Balken, und winzige Unterschiede wirken gewaltig. Beginnt die Achse bei 90 und zwei Balken reichen bis 92 und 96, dann bleiben sichtbar nur 2 und 6 Einheiten übrig: Der zweite Balken sieht dreimal so hoch aus, obwohl sein Wert nur gut 4 Prozent größer ist. Hinter abgeschnittenen Achsen steckt nicht immer böse Absicht, bei Fieberkurven oder Aktienkursen sind sie oft sinnvoll. Bei Balkendiagrammen, die Größen vergleichen sollen, sind sie aber fast immer irreführend.
Aufgeblasene Flächen
Beliebt sind auch Bildchen statt Balken: Geldsäcke, Autos, Figuren. Verdoppelt sich ein Wert und der Zeichner macht das Symbol doppelt so hoch und doppelt so breit, dann wächst die Fläche auf das Vierfache. Unser Auge vergleicht aber Flächen, nicht Höhen. Der Eindruck: Der Wert hat sich vervierfacht. Bei 3D-Diagrammen mit Volumen wird es noch extremer, dort wächst der Eindruck sogar auf das Achtfache. Ehrliche Diagramme lassen Symbole nur in eine Richtung wachsen oder reihen gleich große Symbole aneinander.
Rosinenpickerei beim Zeitraum
Auch der gezeigte Ausschnitt kann täuschen. Wer einen Aktienkurs erst ab seinem Tiefpunkt zeigt, präsentiert einen beeindruckenden Anstieg und verschweigt den Absturz davor. Wer ein besonders kaltes Jahr als Startpunkt wählt, lässt jede Erwärmung dramatischer aussehen, wer ein besonders warmes wählt, spielt sie herunter. Diese Rosinenpickerei ist besonders heimtückisch, weil jeder gezeigte Datenpunkt stimmt. Die Täuschung liegt allein in dem, was weggelassen wurde. Die Gegenfrage lautet immer: Wie sieht das Bild im längeren Zeitraum aus?
So entlarvst du die Tricks
Eine kurze Prüfliste hilft: Wo beginnt die Achse, bei null oder mittendrin? Sind die Achsen gleichmäßig eingeteilt und beschriftet? Wachsen Symbole in mehr als eine Richtung? Welcher Zeitraum wird gezeigt, und warum wohl genau dieser? Und schließlich: Passt die Überschrift zu dem, was die Daten wirklich zeigen? Diese fünf Blicke dauern zusammen keine Minute und entschärfen die meisten Manipulationen. Diagramme sind ein großartiges Werkzeug, um Daten verständlich zu machen. Genau deshalb lohnt es sich, sie lesen zu können wie einen Text.
Aufgaben
0 von 6 gelöstZeit zum Ausprobieren. Du kannst nichts kaputt machen, jeder Versuch zählt.
Was bewirkt eine senkrechte Achse, die nicht bei null beginnt, in einem Balkendiagramm?
Ein Wert hat sich verdoppelt. Im Diagramm wird das Symbol dafür doppelt so hoch und doppelt so breit gezeichnet. Warum täuscht das?
Eine Achse beginnt bei 50. Balken A reicht bis 52, Balken B bis 54. Wievielmal so hoch wie Balken A wirkt Balken B im Diagramm?
Ordne jedem Diagramm-Trick zu, was er bewirkt.
Ein Preis steigt von 200 Euro auf 210 Euro. Um wie viel Prozent ist er tatsächlich gestiegen?
Ein Balkendiagramm, das Größen vergleichen soll, sollte seine senkrechte Achse bei … beginnen lassen.
Damit geht es weiter