Astronomie & Raumfahrt
Den Himmel lesen
Warum sich die Sterne drehen, warum sie funkeln und was ihre Farben verraten: Der Nachthimmel mit bloßem Auge.
Geh in einer klaren Nacht nach draußen und schau nach oben. Fast jeder Lichtpunkt, den du siehst, ist eine ferne Sonne, und ihr Licht war Jahre bis Jahrtausende zu dir unterwegs. Für den Anfang brauchst du kein Teleskop, nur deine Augen, etwas Geduld und ein paar Tricks. Genau die lernst du hier.
Warum sich der Himmel dreht
Beobachte den Himmel ein paar Stunden lang, und du merkst: Die Sterne wandern. Sie gehen im Osten auf und im Westen unter, wie die Sonne. Doch nicht der Himmel bewegt sich, sondern du. Die Erde dreht sich in knapp 24 Stunden einmal um ihre eigene Achse, also scheint der ganze Himmel in dieser Zeit einmal um uns zu kreisen. Rechnet man mit runden 24 Stunden, sind das 360° geteilt durch 24 Stunden, also 15° pro Stunde. Deshalb stehen die um Mitternacht woanders als am Abend, und deshalb zeigen Langzeitfotos die Sterne als Kreisbögen.
Warum Sterne funkeln
Sterne funkeln nicht von selbst. Ihr Licht durchquert auf den letzten paar Dutzend Kilometern die Lufthülle der Erde, und die ist ständig in Bewegung: warme und kalte Luftpakete wirbeln durcheinander und lenken das Licht immer wieder minimal ab. Weil ein Stern selbst durch große Teleskope nur ein winziger Lichtpunkt ist, reicht dieses Zittern, um ihn tanzen und flackern zu lassen. Im Weltraum, ohne Luft, leuchten dieselben Sterne völlig ruhig. Planeten funkeln übrigens kaum: Sie stehen so nah, dass sie als kleines Scheibchen erscheinen, und über dieses Scheibchen mittelt sich das Zittern weitgehend heraus. Ein auffällig ruhiger heller Punkt ist deshalb oft ein Planet.
Sterne haben Farben
Schau genau hin: Sterne sind nicht alle weiß. Beteigeuze im Orion schimmert rötlich, Rigel schräg gegenüber bläulich weiß. Die Farbe verrät die Oberflächentemperatur, und zwar andersherum, als man aus dem Alltag denkt: Rötliche Sterne sind mit rund 3000 bis 3500 Kelvin vergleichsweise kühl, unsere gelbliche Sonne liegt bei etwa 5800 Kelvin, und bläuliche Sterne wie Rigel erreichen über 10000 Kelvin. Blau bedeutet heiß, Rot bedeutet kühl. Mit bloßem Auge kannst du also Sterne grob nach Temperatur sortieren.
Je heißer die Oberfläche, desto blauer das Licht. Blaue Sterne sind die heißesten und rote die kühlsten, auch wenn wir Rot sonst mit Hitze verbinden.
Dunklen Himmel finden
In der Stadt siehst du vielleicht ein paar Dutzend Sterne, unter wirklich dunklem Himmel mehrere Tausend, dazu das zarte Band der . Der Unterschied heißt Lichtverschmutzung: Straßenlampen und Reklame hellen den Himmel auf und überstrahlen schwache Sterne. Fahre darum, wenn du kannst, raus aus der Stadt, und gib deinen Augen Zeit. Sie brauchen 20 bis 30 Minuten völliger Dunkelheit, bis sie ihre volle Empfindlichkeit erreichen: Die Pupille weitet sich dabei von rund 2 mm auf 7 bis 8 mm, und die Netzhaut stellt sich zusätzlich auf schwaches Licht um. Ein einziger Blick aufs Handydisplay macht diese Anpassung wieder zunichte.
Aufgaben
0 von 6 gelöstZeit zum Ausprobieren. Du kannst nichts kaputt machen, jeder Versuch zählt.
Du beobachtest den Himmel mehrere Stunden lang. Die Sternbilder wandern langsam von Ost nach West. Warum?
Ein Stern leuchtet bläulich, ein anderer rötlich. Welcher hat die heißere Oberfläche?
Rechne mit runden 24 Stunden für eine volle Umdrehung der Erde, also für 360°. Um wie viel Grad wandert der Sternhimmel dadurch scheinbar pro Stunde?
Sterne funkeln, weil ihr Licht kurz vor deinem Auge die ständig bewegte … der Erde durchquert.
Du fotografierst den Himmel um 21 Uhr und noch einmal um 24 Uhr. Um wie viel Grad sind die Sterne in diesen 3 Stunden weitergewandert?
Ordne jeder Sternfarbe die passende Oberflächentemperatur zu.