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Mittelwert-Fallen

Ein Millionär betritt die Kneipe, und plötzlich sind alle im Schnitt reich. Warum der Mittelwert täuschen kann und wann der Median das ehrlichere Bild zeigt.

Das Durchschnittsgehalt in der Firma liegt bei 4800 Euro im Monat, die durchschnittliche Wartezeit an der Kasse beträgt 12 Minuten, der Durchschnittshaushalt besitzt 1,4 Autos. Solche Zahlen begegnen dir ständig, und sie klingen objektiv. Aber ein Durchschnitt kann ein sehr schiefes Bild zeichnen, wenn du nicht weißt, wie er zustande kommt. Wer die Tricks kennt, lässt sich nicht mehr so leicht beeindrucken.

Was der Mittelwert wirklich tut

Der klassische Durchschnitt heißt Mittelwert: alle Werte zusammenzählen und durch ihre Anzahl teilen. Haben fünf Freundinnen 10, 12, 14, 16 und 18 Euro Taschengeld, ist der Mittelwert 705=14\frac{70}{5} = 14 Euro. Hier funktioniert er wunderbar, denn die Werte liegen nah beieinander. Der Mittelwert verteilt die Gesamtsumme gedanklich gleichmäßig auf alle, so als hätte jede exakt gleich viel.

Der Millionär in der Kneipe

Jetzt der berühmte Trick. In einer Kneipe sitzen neun Leute, jede Person verdient 2000 Euro im Monat. Durchschnittseinkommen: 2000 Euro, klar. Dann betritt ein Millionär mit 102000 Euro Monatseinkommen den Raum. Neuer Mittelwert: 92000+10200010=12000\frac{9 \cdot 2000 + 102000}{10} = 12000 Euro. Statistisch verdienen jetzt alle im Schnitt 12000 Euro, obwohl sich für neun von zehn Personen nichts geändert hat. Ein einziger Ausreißer zieht den Mittelwert massiv nach oben.

Der Median bleibt cool

Es gibt einen zweiten Durchschnittsbegriff, der sich von Ausreißern nicht beeindrucken lässt: den . Dafür sortierst du alle Werte der Größe nach und nimmst den Wert genau in der Mitte. Bei einer geraden Anzahl nimmst du den Mittelwert der beiden mittleren Werte. In der Kneipe liegt der Median vor und nach dem Auftritt des Millionärs bei 2000 Euro: Bei zehn Personen zählen die fünfte und die sechste der sortierten Reihe, und beide verdienen weiterhin 2000 Euro. Der Median beschreibt die typische Person, nicht die Gesamtsumme.

Datenbalken
BalkenAnna
Mittelwert 11
AnnaBenCemDanaEli
Anna: 12Mittelwert: 11
Probier es aus: Verändere einzelne Balken und beobachte, wie stark der Mittelwert auf einen Ausreißer reagiert, während der Median ruhig bleibt.

Wann welcher Wert ehrlich ist

Beide Werte sind nützlich, sie beantworten nur verschiedene Fragen. Der Mittelwert ist ehrlich, wenn eine Gesamtsumme gleichmäßig aufgeteilt werden soll: der Regen pro Monat, der Umsatz pro Öffnungstag, die Tore pro Spiel. Der Median ist ehrlich, wenn du wissen willst, wie es der typischen Person geht: Einkommen, Mieten, Hauspreise, Wartezeiten. Genau deshalb stellen Statistikämter beim Einkommen den Median in den Vordergrund. Wenn dir jemand nur den Mittelwert nennt, obwohl es um typische Fälle geht, lohnt sich die Frage: Wo ist der Median, und wer könnte hier der Millionär in der Kneipe sein?

Aufgaben

0 von 6 gelöst

Zeit zum Ausprobieren. Du kannst nichts kaputt machen, jeder Versuch zählt.

Welcher Wert wird von einem einzelnen extremen Ausreißer stark verändert?

Vier Freunde haben 4, 6, 8 und 10 Euro dabei. Wie hoch ist der Mittelwert in Euro?

Fünf Läuferinnen brauchen für dieselbe Runde 3, 5, 9, 11 und 12 Minuten. Wie groß ist der Median in Minuten?

Ordne jeden Begriff der richtigen Beschreibung zu.

Mittelwert
Median
Ausreißer

In einer Kneipe verdienen neun Gäste je 2000 Euro, ein Gast verdient 102000 Euro. Welcher Wert beschreibt das typische Einkommen im Raum am ehrlichsten?

Beim Einkommen stellen Statistikämter meistens den in den Vordergrund, weil er die typische Person beschreibt.