Daten & KI
Risiko einschätzen
Doppelt so gefährlich klingt dramatisch. Aber doppelt so viel wie fast nichts ist immer noch fast nichts. So durchschaust du Risiko-Schlagzeilen.
Studie zeigt: Risiko verdoppelt! Solche Schlagzeilen sollen dich erschrecken, und oft funktioniert das. Dabei fehlt fast immer die wichtigste Information: verdoppelt von welchem Ausgangswert? Wer Wahrscheinlichkeiten lesen kann, bleibt bei solchen Meldungen entspannt und erkennt, wann echte Vorsicht angebracht ist. Das brauchst du öfter, als du denkst: beim Radfahren ohne Helm, beim Impftermin und bei jeder Warnmeldung im Netz.
Was eine Wahrscheinlichkeit sagt
Eine Wahrscheinlichkeit beschreibt, wie oft etwas auf lange Sicht passiert. Liegen in einem Beutel 3 rote und 7 blaue Murmeln, ist die Wahrscheinlichkeit für Rot , also 30 Prozent. Das heißt nicht, dass bei 10 Zügen exakt 3 rote kommen. Es heißt: Ziehst du sehr oft, nähert sich der Rot-Anteil den 30 Prozent an. Wahrscheinlichkeiten sind Aussagen über viele Versuche, nicht Versprechen für den einzelnen. Sollen zwei unabhängige Ereignisse beide eintreten, multiplizierst du ihre Wahrscheinlichkeiten: Ziehst du zweimal und legst die Murmel dazwischen zurück, ist die Chance auf zweimal Rot 0,3 mal 0,3, also 0,09 oder 9 Prozent.
Absolut oder relativ, das ist die Frage
Jetzt zur Schlagzeile. Angenommen, ein Risiko steigt von 1 von 100000 auf 2 von 100000. Relativ gesehen hat es sich verdoppelt, plus 100 Prozent, das klingt gewaltig. Absolut gesehen ist es um eine einzige Person pro 100000 gestiegen und bleibt winzig. Beide Beschreibungen sind mathematisch korrekt, aber sie fühlen sich völlig verschieden an. Seriöse Information nennt immer die absoluten Zahlen: von wie vielen auf wie viele, bezogen auf welche Gruppe.
Seltene Ereignisse und unser Bauchgefühl
Unser Bauch ist ein schlechter Risikorechner. Spektakuläre, seltene Ereignisse wie Flugzeugabstürze oder Haiangriffe bekommen riesige Aufmerksamkeit und fühlen sich deshalb wahrscheinlicher an, als sie sind. Alltägliche Risiken wie Autofahren oder Rauchen wirken harmlos, weil sie vertraut sind. Pro zurückgelegtem Kilometer ist das Flugzeug eines der sichersten Verkehrsmittel, trotzdem haben mehr Menschen Flugangst als Angst vor der Autofahrt zum Flughafen. Merke: Wie oft du von etwas hörst, sagt wenig darüber, wie oft es passiert.
Risiken fair vergleichen
Der beste Trick für den Alltag: Übersetze Risiken in natürliche Häufigkeiten. Statt 0,2 Prozent sage: 2 von 1000 Menschen. Statt Risiko halbiert frage: von wie vielen pro 1000 auf wie viele pro 1000? Dieselbe Bezugsgruppe macht Risiken vergleichbar. Wenn ein Medikament ein Risiko von 6 auf 3 pro 1000 senkt, hilft es 3 von 1000 Menschen. Das kannst du dann gegen Kosten und Nebenwirkungen abwägen, ganz ohne Panik und ganz ohne Verharmlosung.
Aufgaben
0 von 6 gelöstZeit zum Ausprobieren. Du kannst nichts kaputt machen, jeder Versuch zählt.
Du wirfst eine faire Münze. Wie wahrscheinlich ist Kopf?
In einem Beutel liegen 3 rote und 7 blaue Murmeln. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit in Prozent, eine rote zu ziehen?
Ein Glücksrad hat 4 gleich große Felder, genau eines gewinnt. Wie groß ist die Gewinnwahrscheinlichkeit in Prozent?
Eine seriöse Risikomeldung nennt immer die … Zahlen: von wie vielen auf wie viele.
Ein Risiko steigt von 1 von 1000000 auf 2 von 1000000, es hat sich also verdoppelt. Wie ist dieses Risiko absolut gesehen einzuschätzen?
Ordne jeder Risikoangabe die richtige Deutung zu.