Daten & KI
Prognosen & Unsicherheit
70 Prozent Regen, und dann bleibt es trocken. War die Vorhersage falsch? Nicht unbedingt. So liest du Prognosen wie ein Profi.
Die Wetter-App zeigt 70 Prozent Regen, du schleppst den ganzen Tag einen Schirm mit, und es fällt kein einziger Tropfen. Typisch, die können es einfach nicht? So schnell solltest du nicht urteilen. Prognosen sind keine Versprechen, sondern Wahrscheinlichkeiten, und wer sie richtig liest, trifft bessere Entscheidungen: beim Wetter, bei Wahlen, im Sport und überall sonst, wo in die Zukunft geschaut wird.
Was 70 Prozent Regen wirklich heißt
70 Prozent Regenwahrscheinlichkeit bedeutet: An 10 Tagen mit genau so einer Wetterlage regnet es an ungefähr 7 und bleibt an ungefähr 3 trocken. Dein trockener Tag war also kein Fehler der Prognose, er war einer der eingeplanten 3 von 10. Falsch wäre die Prognose erst, wenn es an solchen Tagen auf Dauer viel öfter oder viel seltener regnet als angesagt. Eine einzelne Beobachtung kann eine Wahrscheinlichkeit nie widerlegen, erst viele Beobachtungen zusammen zeigen, ob der Wetterdienst gut kalibriert ist. Gut kalibriert heißt: Wenn er 70 Prozent ansagt, regnet es auf lange Sicht auch an ungefähr 70 Prozent dieser Tage.
Warum Prognosen streuen
Woher kommen die Prozente? Wetterdienste lassen ihre Computermodelle nicht nur ein einziges Mal laufen, sondern viele Male, jedes Mal mit winzig veränderten Startbedingungen. Denn die Atmosphäre ist chaotisch: Kleine Unterschiede am Anfang können nach ein paar Tagen zu völlig verschiedenem Wetter führen. Zeigen 35 von 50 Modellläufen Regen, meldet die App 70 Prozent. Die Streuung der Läufe ist keine Schwäche, sie ist die ehrlichste Auskunft darüber, was die Daten hergeben.
Aber Korrelation ist keine Kausalität: Das Eis macht das Wetter nicht warm, der Sommer treibt beides.
Je weiter weg, desto unsicherer
Die Vorhersage für morgen ist ziemlich verlässlich, die für übermorgen etwas weniger, und ab etwa einer Woche wird es richtig wackelig. Kleine Fehler im Modell schaukeln sich mit jedem Tag weiter auf. Deshalb zeichnen gute Prognosen einen Trichter: ein schmales Band für die nahe Zukunft, das nach hinten immer breiter wird. Das gilt weit über das Wetter hinaus, auch bei Wirtschafts- und Klimaprognosen wächst die Unsicherheit mit dem Zeithorizont. Wer dir für in zehn Jahren eine exakte Einzelzahl verspricht, verschweigt den Trichter.
Gut entscheiden trotz Unsicherheit
Unsicherheit ist kein Grund, Prognosen zu ignorieren, sondern eine Information mehr. Bei 70 Prozent Regen lohnt der Schirm, auch wenn er an 3 von 10 Tagen umsonst dabei ist: Nass werden ist teurer als tragen. Frage dich bei jeder Prognose zwei Dinge. Erstens: Was kostet es mich, wenn das unwahrscheinlichere Ereignis eintritt? Zweitens: Wie weit reicht die Prognose in die Zukunft? Dann nutzt du die Wahrscheinlichkeit, statt dich von ihr überraschen zu lassen.
Aufgaben
0 von 6 gelöstZeit zum Ausprobieren. Du kannst nichts kaputt machen, jeder Versuch zählt.
Die App meldet 70 Prozent Regenwahrscheinlichkeit, aber es bleibt trocken. War die Prognose falsch?
An 10 Tagen gilt jeweils 70 Prozent Regenwahrscheinlichkeit. An wie vielen dieser Tage ist im Schnitt mit Regen zu rechnen?
An 20 Tagen gilt jeweils 20 Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Wie viele Regentage sind darunter im Schnitt zu erwarten?
70 Prozent Regenwahrscheinlichkeit heißt: An 10 solchen Tagen regnet es an ungefähr ….
Welche Wettervorhersage ist normalerweise unsicherer?
Ordne die Wettervorhersagen von der sichersten zur unsichersten.
- 1Die Vorhersage für in einer Woche
- 2Die Vorhersage für übermorgen
- 3Die Vorhersage für in zwei Wochen
- 4Die Vorhersage für morgen