Mathematik
Strahlensätze
Zwei Strahlen, zwei Parallelen, und schon rechnest du die Höhe eines Baumes aus, ohne hinaufzuklettern.
Wie hoch ist eigentlich der Baum vor deinem Fenster? Nachmessen kannst du ihn nicht, hinaufklettern willst du nicht. Trotzdem genügen ein Zollstock, ein gerader Stab und etwas Sonne, um die Höhe erstaunlich genau zu bestimmen. Dahinter stecken die Strahlensätze: zwei Regeln über Verhältnisse, die immer dann greifen, wenn parallele Linien zwei Strahlen schneiden.
Stell dir einen Punkt vor, von dem zwei Strahlen ausgehen wie die beiden Arme einer geöffneten Schere. Quer darüber legst du zwei Geraden, die zueinander parallel sind. Die nähere trifft den einen Strahl in und den anderen in , die fernere trifft dieselben Strahlen in und . Auf dem ersten Strahl liegen also , und in dieser Reihenfolge, auf dem zweiten , und . So entstehen zwei Dreiecke mit derselben Spitze , ein kleines und ein großes. Weil die Schnittlinien parallel sind, ist das große Dreieck nichts anderes als eine vergrößerte Kopie des kleinen, und genau deshalb hängen alle Längen über feste Verhältnisse zusammen.
Der erste Strahlensatz
Der erste Strahlensatz vergleicht die Abschnitte auf den beiden Strahlen. Entscheidend ist dabei eines: Alle Längen werden vom aus gemessen, nicht von einer Parallelen zur nächsten. Ist cm und cm, dann liegt das 1,5-Fache so weit von entfernt wie . Auf dem zweiten Strahl gilt genau derselbe Faktor: Aus cm wird cm. Kennst du drei der vier Längen, findest du die vierte immer.
Der zweite Strahlensatz
Der zweite Strahlensatz nimmt die Parallelen selbst dazu. Die Strecke auf der nahen Parallelen und die Strecke auf der fernen stehen im gleichen Verhältnis wie die Abschnitte auf einem der beiden Strahlen. Mit cm, cm und cm folgt: ist das 1,5-Fache von 5 cm, also 7,5 cm. Merk dir den Unterschied so: Der erste Satz bleibt auf den Strahlen, der zweite verbindet einen Strahl mit den Querstücken.
Den Baum messen, ohne zu klettern
Sonnenstrahlen treffen bei uns praktisch parallel ein. Stellst du einen Stab senkrecht neben den Baum, dann bilden Stab und Stabschatten sowie Baum und Baumschatten dieselbe Figur in zwei Größen, und die Sonne übernimmt die Rolle der Strahlen. Ein Stab von 1,5 m wirft 1,2 m Schatten, das Verhältnis von Höhe zu Schatten ist also 1,5 zu 1,2 oder das 1,25-Fache. Wirft der Baum im selben Moment 8 m Schatten, ist er 8 m mal 1,25, also 10 m hoch. Wichtig ist nur, beide Schatten gleichzeitig zu messen, denn die Sonne wandert und mit ihr jeder Schatten.
Dieselbe Figur funktioniert auch andersherum, wenn du eine Entfernung suchst. Hältst du einen Stift so vor dein Auge, dass er einen Turm genau verdeckt, dann ist dein Auge der Scheitelpunkt , die beiden Blicklinien über die Enden des Stifts sind die Strahlen, und Stift und Turm sind die beiden Parallelen. Der Stift verrät dir das Verhältnis von Abstand zu Länge, und der Turm folgt demselben Verhältnis.
Aufgaben
0 von 6 gelöstZeit zum Ausprobieren. Du kannst nichts kaputt machen, jeder Versuch zählt.
Wann darfst du die Strahlensätze anwenden?
Zwei Strahlen gehen von S aus und werden von zwei Parallelen geschnitten. A und B liegen auf der näheren Parallelen, C und D auf der ferneren. Auf dem ersten Strahl ist SA = 3 cm und SC = 9 cm, auf dem zweiten SB = 4 cm. Wie lang ist SD in cm?
Was vergleicht der zweite Strahlensatz?
Beim ersten Strahlensatz misst du alle Abschnitte auf den Strahlen vom … aus.
Ein Stab ist 1,2 m hoch und wirft 0,8 m Schatten. Ein Baum daneben wirft im selben Moment 6 m Schatten. Wie hoch ist der Baum in m?
Ordne jedem Begriff die passende Beschreibung zu.